Richard Medic (36) wollte alles richtig und nichts heimlich machen. Doch der Versuch, mit amtlicher Erlaubnis ein riesiges Transparent im EU-Viertel auf ein abbruchreifes, öffentliches Gebäude zu hängen, brachte den Sprecher der Versammlung der Regionen Europas für rund sieben Stunden in den Polizeiarrest. Der aus Australien stammende Jurist und Freeclimber wollte auf das Haus der früheren Brüsseler Zulassungsbehörde klettern, um sein Transparent für die VRE, einem Zusammenschluss von rund 260 Gebieten aus 33 Staaten, zu entrollen. Das Banner sollte für Subsidiarität werben, eines der EU-Prinzipien. Es besagt, dass Entscheidungen auf möglichst niedriger Ebene fallen sollen, also möglichst in den Regionen oder Bundesländern. Das Wort kommt auch im EU-Reformvertrag vor, ist aber in vielen Englisch-Wörterbüchern nicht enthalten oder wird auch in Microsoft-Programmen in vielen Sprachen als unbekannt gekennzeichnet. Das ist der VRE ein Dorn im Auge.
Anders als etwa kurz vor Weihnachten 2007, als Greenpeace-Aktivisten den Haupteingang zum EU-Ratsgebäude unbehelligt zumauern konnten, war die Brüsseler Polizei diesmal besonders fix. Noch bevor der drahtige Mann im Anzug mit einem 20 Kilo schweren Rucksack vor dem Sitz der EU-Kommission starten konnte, wurde er in ein Polizeiauto gebeten. Das Transparent hat vorerst die Polizei eingezogen. "Ein klassisches Beispiel einer Zentralbürokratie, die zu weit geht", sagte VRE-Sprecher Medic nach seiner Freilassung am Dienstag. Das Video auf YouTube gibts nun eben ohne Transparent. Titel: "Für ein Wort verhaftet."
EU-Aktivist im Polizeiarrest
21. Mai 2008 | 01:00 | | Link | Kommentare (0)
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Was abseits der offiziellen Pressetermine in der EU-Hauptstadt passiert. Gerald Stoiber berichtet für die Salzburger Nachrichten direkt aus Brüssel.