Recht auf eine intakte Familie?

27. Februar 2007 | 17:58 | | Link | Kommentare (9)

Lv1u4627Nach Trennungen werden Mädchen und Buben immer öfter ein Spielball im Machtkampf der Eltern. Viele Kinder in Österreich leben nur bei einem Elternteil.

Brauchen Kinder Vater und Mutter oder sind sie auch bei einem Elternteil gut aufgehoben? Haben Kinder ein Recht auf eine intakte Familie?
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Kommentare

1. adelheid | Februar 27, 2007 um 22:10

Ich denke schon, daß Kinder ein Recht auf eine intakte Familie haben. Da geht es sicher nicht um besonderen Luxus, sondern um Geborgenheit, Vertrauen, Erwachsene mit natürlicher Autorität und gesundem Menschenverstand eine eine Umwelt, in der nicht alles verboten ist.
Leider gibt es keine heile Welt. Es ist gut, daß es in unserer Zeit bereits ein dichtes Netzwerk an Hilfsangeboten gibt! Entsolidarisierung,vielfach zu beobachtender Egoismus, überspannte Erwartungen an den Partner und geringe Frustrationstoleranz und Konfliktmanagement lassen viele Beziehungen brechen - gut ist das weder für die Kinder noch die Erwachsenen - das Scheitern wird in den meisten Fällen mitgenommen und weitergetragen.
Gar nichts halte ich davon, wenn eine Frau ihren Kindeswunsch erfüllen will, aber von vorne herein keine Partnerschaft wünscht.

2. cool | Februar 28, 2007 um 02:43

Nicht nur die Betroffenen - sowohl die Ehepartner als auch die Kinder in dieser Ehe haben ein Recht auf intakte Familien sondern auch die Gesellschaft - die Zukunft eines Staates hat Recht auf intakte Familien. Grundlage dazu ist die Kommunkationsbereitschaft - kann ich mit meinem Partner über meine Gefühle sprechen - habe ich selber noch Zugang dazu? Wann lerne ich über mich zu sprechen? Hat der Jugendliche noch den Menschen, bei dem er offen sein kann - ohne Hemmungen? nicht sich rechtfertigen sondern einfach reden? Ist das die Folge der beiden Weltkriege, die uns gerade in der Kultur des miteinander umgehens um vieles zurückgeworfen hat? Wir wissen vom 30 jährigen Krieg, daß er damals die Menschheit um 100 Jahre zurückwarf - doch wissen wir, um wievieles wir im vorigen Jahrhundert durch die Kriege zurück geworfen worden sind? hinein in eine vaterlose Gesellschaft - in eine Gottlose? In einer Gesellschaft, die als Hauptmotto - keine Zeit - hat - kann da noch dauerhafte Beziehung gelbt werden oder ist auch der Nächste neben mir - eben mein Partner - Konsumgut geworden?

3. guggi | Februar 28, 2007 um 07:16

Was heißt in dem Zusammenhang "intakt"? Daß die Elternteile under einem Dach wohnen, bringt den Kinder nicht automatisch viel, denn hier können Gewalt und seelische Grausamkeit genauso vorkommen wie in nach außen hin nicht intakten Familien.

Kinder haben ein Recht auf ein liebevolles und körperlich + seelisch gewaltfreies Aufwachsen. Dafür ist es großteils unerheblich, ob die Eltern getrennt oder beisammen leben, es ist nur ein gewisser Reifezustand nötig.

Prinzipiell ist die heute gegebene gesellschaftliche Möglichkeit einer Trennung auch für Kinder segensreich, weil sie nicht in einer streit- und aggressionsbelasteten Beziehung weiterleben müssen.

Eine verpflichtende familientherapeutische Betreuung von Scheidungsfamilien wäre sicher für alle beteiligten hilfreich.

4. www.amSPIESS.at | Februar 28, 2007 um 11:33

Gemeinsames Sorgerecht wäre wohl immer die beste Lösung für die Kinder. Aber Scheidungskrieg ist leider oft ein 3 Fronten- Gemetzel. Mann gegen Frau und beide wollen die nebenstehende, vergesene "Garnison" der Kinder gewaltsam in die eigene Streitmacht "intergrieren". Ich bin selbst (noch?)nicht geschiedener Vater von zwei Kindern, aber ich erlebe solche Situationen in meinem Bekanntenkreis leider viel zu häufig. Und jedesmal grausts mich. Weiteres Problem ist die schwer nachvollziehbare Tatsache, dass alle Behörden inklusive Gerichte in Partnerschafts-Konflikten zu 95% pro Mutter entscheiden. Das heißt doch, dass Väter automatisch als zur Erziehung unfähiger Elternteil stigmatisiert wird. Davor grausts mir übrigends auch. Und zu Familienstreit allgemein: Auch Politfamilien versagen. Die biedere Politmama Molty kocht und putzt und Politpaps Gusy ist ein Luftikus, der treibt was er will. Und die Kinder rennen unkontrolliert durch die Gegend und machen sinnlos Lärm. Da müßte das Politsozialamt einmal radikal durchgreifen. Aber das ist leider noch unbesetzt. Vielleicht kommt statt dessen ein Politklima-Beauftragter, wie schon angedacht, mit Coaching Agenden, so wie sie sich auch im privaten Bereich bewähren.

5. betroffener_Vater | Februar 28, 2007 um 13:58

Ich persönlich bin einer der betroffenen Väter, die zwar ein Besuchsrecht haben, dieses aber in Wahrheit nicht wahrnehmen können, da die Kindesmutter nach 3(!) Jahren der Trennung immer noch nicht verstanden hat, dass während der Scheidung aufgetretene Konflikte nicht dazu verwendet werden sollen, um den Vater bei den Kindern schlecht zu reden.

Ich liebe meine Kinder sehr und hätte sehr gerne Kontakt zu ihnen, das Bild, das die Kindesmutter ihnen aber vom Vater vermittelt, muss ein hässliches sein. Ich kenne einige Väter, denen es gleich geht wie mir.

Meiner Meinung nach wäre es bereits während der Scheidung notwendig, unparteiische Instanzen einzubeziehen, die in erster und einziger Linie darauf achten, dass die Kinder, die ohnehin immer die Leidtragenden sind, regelmäßig auch Kontakt zu dem Elternteil behalten können, bei dem sie nicht wohnen. Dies muss ein laufender Prozess sein, innerhalb dessen die Kinder nach ihren Wünschen und Vorstellungen befragt werden können.

Der Richter alleine kann ja nur über Sorge- und Besuchsrechte entscheiden, was auf dem Papier steht und tatsächlich passiert, sind aber zwei verschiedene Dinge. Was die Kinder in einer Scheidungssituation und vor allem danach wollen, welche (Verlust-)Ängste, Selbstvorwürfe, Sorgen, Wünsche, Vorstellungen sie haben, danach fragt im Regelfall niemand.

Insofern ist die von Herrn Richard Maier ins Leben gerufene Initiative wirklich sehr zu begrüßen!

6. Martina S. | Februar 28, 2007 um 17:11

War selbst alleinerziehende Mutter von 2 Töchtern nach meiner Scheidung. Die Kinder waren damals 5 und 6 Jahre alt. Mein Ex-Mann hat die Kinder genau wie im Scheidungsvergleich vereinbart zu den angegebenen Zeiten abgeholt und zu sich genommen. Ich habe das immer ermöglicht und unterstützt. Beide Töchter sind ohne größere Probleme zu verantwortungsbewußten Menschen herangewachsen, die beide studieren. Beide haben nach wie vor ein gutes Verhältnis zum leiblichen Vater. Im Gegenzug hat mein Ex-Mann immer die Alimente pünktlich bezahlt. Heute bezahlt er sie auf das Konto der Kinder.
Ich bin überzeugt, dass für Kinder beide Elternteile wichtig sind, aber nicht unbedingt wichtig ist, ob die Eltern im gemeinsamen Haushalt leben, da ständiger Streit und unzufriedene und unglückliche Elten für die seelische Entwicklung derKinder nicht gut ist. So hatten die Kinder bei mir Sicherheit in ihrem Zuhause (war erfolgreich berufstätig, war aber nach der Arbeit immer für meine Kinder da) und die Sicherheit beim Vater, der sie regelmäßig an den Besuchswochenenden abgeholt hat.
Ich selbst habe nach wie vor kein gutes Verhältnis zum Kindesvater. Außer über unsere Kinder haben wir uns nichts zu sagen, aber wir können zum Glück miteinander umgehen. Ich sehe das im Interesse meiner Töchter, die sowohl zu ihrem leiblichen Vater als auch zu meinem neuen Lebenspartner (seit 3 Jahren) ein gutes Verhältnis haben.
Ich kann das absolut nicht verstehen, wenn Mütter die Kinder den Vätern vorenthalten und finde das nicht richtig. Gut, dass es jetzt Initiativen gibt, die auch diejenigen, die wirklich Vater sein wollen, unterstützen.

7. Helmut | März 8, 2007 um 09:48

Ich finde allein die Fragestellung, ob Kinder beide Elternteile brauchen, pervers und sich selbst entlarvend.
Warum sollte ein Kind nicht beide Elternteile brauchen, etwa weil diese auf der Paarebene nicht mehr verbunden sind? Als alleinerziehender Vater muss es mir doch ein logisches Bedürfniss sein das mein Kind Kontakt mit dem anderen Elternteil hat. Leider agieren Jugendwohlfahrt und Rechtssprechung in Österreich eindeutig negativ gegenüber den Nichtobsorgeberechtigten.

8. ulli | März 9, 2007 um 19:29

Anhand der oben angeführten Beispiele ist gut zu erkennen wie unterschiedlich Familien nach der Trennung mit der neuen Situation umgehen. Jede Trennung ist ein Fall für sich und daher ist es sicher wichtig daß bei Uneinigkeit unbedingt jemand von außen den Kindern sowie auch den Eltern beisteht, um für alle eine gute Lösung zu finden.
Ich bewundere speziell alle Mütter (natürlich auch die Väter) die ganz alleine mit dem Nachwuchs zurecht kommen müssen. Arbeiten gehen, Haushalt, wer kümmert sich in den Ferien, wer kümmert sich bei Krankheit der Kleinen, wer erledigt die Arztbesuche, wer ist zur Stelle wenn Überstunden anfallen...
Kinderbetreuung ist nicht umsonst.
Bei uns kümmert sich der Vater nicht um die Kinder, weil er nicht weiß, was er mit ihnen anfangen soll und sich keine Zeit nimmt. Das ist zwar traurig, denn er bekommt gar nicht mit, wie sie sich entwickeln. Ich würde es begrüßen, wenn der die Kinder ab und zu mal nehmen würde, meisten paßt es ihm halt nicht. Sowas gibts auch.

9. Verein Kindergefuehle | April 20, 2007 um 00:01

Lieber Helmut!

Hier gebe ich Dir Recht. Es ist selbstredend, dass die Kinder beide Elternteile brauchen. In der Gesellschaft ist es traurig, dass man um so Grundrecht sogar im Namen der Kinder kämpfen muss.

Das ist ein Grundrecht, wie das Essen und Schlafen. Aber es ist noch ein langer Weg bis die Menschenrechte auch bei uns im Lande umgesetzt werden.

Aber gemeinsam werden wir es schaffen.

mfg.

Richard Maier

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