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Damit Schönheit nicht leiden muss
Wer auf der Suche nach einem Arzt ist, der Gesicht und Körper korrigiert, ist gut beraten, wenn er sich Zeit nimmt. In der Branche wird viel Geld gemacht, oft genug mit unlauteren Methoden. Persönliche Empfehlungen und Fragen nach Ausbildung und Routine sind der erste Weg.
Ursula Kastler
Am einen Ende: Dankbarkeit für ein neues Lebensgefühl, Zufriedenheit, ein Schub für das Selbstbewusstsein. Am anderen Ende: schiere Verzweiflung.
Das sind die Pole, zwischen denen sich ästhetische Eingriffe, salopp Schönheitschirurgie genannt, für die Kunden abspielen können. Dazu zwei Briefe: „Die Verbandsabnahme nach der Operation der Nase war für mich ein freudiger Augenblick. Das war ich! Endlich entsprach mein Äußeres auch meinem Inneren.“ und: „Ich habe eine Brustvergrößerung machen lassen. Einen Monat später wurde ich erneut operiert, da eine Brust tiefer saß als die andere und auch größer aussah. Es folgte eine dritte Operation. Nun sitzt eine Brustwarze höher als die andere.“
Wie ist also der Arzt zu finden, dem Körper und Gesicht anvertraut werden können?
„Am besten sind persönliche Empfehlungen“, sagt Walther Jungwirth, Leiter der Abteilung für Plastische und Ästhetische Chirurgie der EMCO Privatklinik und Vorstand in der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie. Es gibt in Österreich bislang kein Gesetz, das selbst ernannten „Schönheitschirurgen“ ohne entsprechende Fachausbildung verbieten würde, bestimmte Operationen durchzuführen. Jeder Arzt, auch ohne fachspezifische Ausbildung, kann ästhetische Eingriffe anbieten. Daher wurden innerhalb der österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie (ÖGPÄRC) Arbeitsgruppen gegründet, die sich um die ständige Weiterbildung ihrer Mitglieder kümmern.
„Kunden sollen auf die Ausbildung achten und ob der Arzt Routine hat. Das ist an den Fallzahlen ersichtlich. Viele Chirurgen haben sich ein Spezialgebiet gesucht, in dem sie besonders gut sind. Über persönliche Empfehlung sieht man, ob das Ergebnis natürlich aussieht und ob mit kleinen Schnitten effizient gearbeitet wurde. Selbstverständlich sind offene Gespräche. Darüber, was möglich ist, was nicht, denn auch die ästhetische Chirurgie hat Grenzen – und darüber, wo Risiken und Komplikationen drohen. Manchmal sind Sport, Diät oder eine Therapie die bessere Lösung“, stellt Jungwirth fest.
„Qualitätskontrolle ist wichtig und jeder Chirurg sollte sie selbst ehrlich durchführen. Dazu gehört auch, den Patienten in der Nachsorge nicht aus den Augen zu lassen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Operationen an der Brust oder Fettabsaugung schwere Eingriffe sind. Einen guten Arzt erkennt man auch daran, dass er – wenn etwas passiert – die Leute nicht allein lässt. Er wird die Komplikation richten und natürlich für diesen Eingriff selbst nichts mehr verrechnen“, sagt Christoph Papp, Facharzt für Allgemein-Chirurgie und Facharzt für Plastische-, Ästhetische- und Wiederherstellungschirurgie sowie Leiter der Abteilung Plastische Chirurgie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Salzburg.
Gute Leistung hat ihren Preis, wenngleich die Eingriffe nicht mehr so teuer sind wie vor 15 Jahren. „Für einen Brustaufbau ist mit 6000 Euro zu rechnen, für ein Facelift mit 7000 bis 10.000 Euro, Nasenkorrekturen kosten zwischen 5000 und 6000 Euro. 50 Prozent davon bekommt der Staat, 20 Prozent das Haus, 30 Prozent die nachgeordneten Ärzte“, erklärt Papp.
Billiganbieter, egal ob aus dem Osten oder aus Deutschland, sind den heimischen Fachleuten nicht nur wegen des Preises ein Dorn im Auge. Nicht immer, aber oft stimme die Qualität nicht, seien etwa keine hochsterilen Operationssäle zur Verfügung. Doch auch im hochpreisigen Segment tummeln sich schwarze Schafe. Klaus Hausberger trägt seit vielen Jahren in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Italien Material zusammen. Zuerst als Journalist für deutsche Medien, dann, weil er „entstellte Opfer“ kennen lernte. „Die Frauen werden abgewiegelt und mit 1000 Euro Schmerzensgeld abgespeist. Im Internet stehen gefälschte Bilder, in Präsentationsmappen finden sich retouchierte Fotos. Briefe von Betroffenen sind erfunden. Ärzte haben keine Haftpflichtversicherung“, fasst Hausberger die Liste zusammen. Er bietet im Internet seriöse Informationen an (siehe Info).
Info: www.chirurgencheck.com (kostenlos). Gegen eine Jahresgebühr von sechs Euro kann man Mitglied bei Hausbergers www.beautyreport.at werden. Die ÖGPÄRC hat für verunsicherte Patienten nach Eingriffen eine Hotline eingerichtet (0820 820 600, Ortstarif). Ärztesuche ist unter www.plastischechirurgie.org möglich.
April 11, 2006 um 14:54
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