Zum Leben einer Jungunternehmerin gehört es leider auch, für etwas bezahlen zu müssen, das man nie bestellt hat: Der Schreiberin dieser Kolumne flatterte dieser Tage eine Rechnung der Wiener Zeitung über 50,88 Euro ins Büro, die sie wohl oder übel wird begleichen müssen. Da nützt es auch nichts, dass sie an sich lieber die Financial Times liest. Schon in den ersten Monaten nach der Firmengründung wurde klar, das mit der Wiener Zeitung nicht zu spaßen ist: Damals kassierte diese 98,08 Euro inklusive Mahnspesen. Ignoranz macht die Sache also nur noch teurer.
Wofür das Salär bestimmt ist? Das Amtsblatt der Republik begleitet Firmen von der Wiege bis zur Bahre. Es gibt kein Entrinnen: Selbst für die dürre Mitteilung auf Seite 47, dass der „Jahresabschluss am 4. 4. 2007 eingereicht“ worden sei, muss das Amtsblatt entlohnt werden. Selbstverständlich kassiert der Staat gleich mit und schlägt auch noch Mehrwertsteuer auf den Anzeigenpreis.
Fragt sich nur, wie das mit dem Ziel, ein modernes, unternehmerisches Land zu werden, zusammenpassen kann. Könnte man die Firmendaten nicht auch ins Internet stellen und das fast kostenlos? Selbst Deutschland, das internationalen Vergleichen zufolge unternehmerfeindlicher agiert als Österreich, schafft gedruckte Pflichtveröffentlichungen in Zeitungen ab 1. 1. 2009 ab. Der hat der Europäische Gerichtshof verlangt. Ist dem offiziellen Österreich weiterhin das Wohlergehen der Wiener Zeitung wichtiger als der Eintritt ins Internetzeitalter, blüht ihm wohl ein ähnliches Urteil.
Darauf zu warten ist genauso peinlich wie es dabei zu belassen, dass in keinem anderen Land der EU das Gründen einer GmbH so teuer ist wie hier zu Lande: 35.000 Euro und davon die Hälfte in bar müssen jene Menschen nachweisen, die sich nicht damit zufrieden geben, als niedlicher und daher von der Politik auch ausgiebig mit verbalen Streicheleinheiten bedachter Einzelunternehmer eine Firma zu gründen. Zum Vergleich: Die Slowakei verlangt für eine GmbH nur gut 5000 Euro Mindestkapital, Spanien 3000 Euro und Großbritannien, Irland und Zypern überhaupt keines. Und Deutschland setzt es soeben auf 10.000 Euro und weniger herab.
Warum Österreich nicht ebenso Anstrengungen unternimmt, die Barrieren für Unternehmen abzubauen, die sich eine ordentliche rechte Hülle verpassen wollen, hat vermutlich einen ganz bestimmten Grund: Das hohe Mindestkapital soll sicherstellen, dass sich die Unternehmen auch in Zukunft noch die Inserate im Amtsblatt leisten können. Ewig lebe das gedruckte Wort!

Die Jungunternehmerin und ehemalige SN-Wirtschaftsjournalistin motiviert zur Innovation und steht für Ihre Fragen zur Verfügung.