Edelwiser Skihandel GmbH. So nennt sich eine Firma am Julius-Tandler-Platz in Wien. Die Adresse klingt nach Kramerladen. Nach einem kleinen Kaufmann, der den großen Händlern trotzt. Doch Mitleid ist hier fehl am Platz. Am Dienstagabend wurde an Edelwiser der österreichische Staatspreis 2007 für Multimedia & e-Business verliehen. Zu Jahresanfang hatte das Unternehmen bei der ISPO Sportartikelmesse in München den „Oscar“ der Skiindustrie, den Volvo SportsDesign Award gewonnen. Für den Designpreis 2008 der Bundesrepublik Deutschland und für den Wiener Zukunftspreis wurde es ebenfalls nominiert.
Der Erfolg ist vor allem auf eines zurückzuführen: Die Weltcupfahrerin Nicola Werdenigg und ihr Mann Erwin, die hinter Edelwiser
stehen, haben sich ganz ihren
Kunden verschrieben. „Im Mittelpunkt steht der Mensch, mit seiner individuellen Ausdrucksform, seinem persönlichen Stil und seinen gestalterischen Ansätzen“, heißt es auf www.edelwiser.com.
Die Werdeniggs und ihre Freunde vertreiben maßgeschneiderte Carving-Ski. Diese können von den Käufern beliebig gestaltet werden. Zum Beispiel in bunten Farben. Oder in Grün und Schlamm, wie die Edelwiser-Ski des Bundesheers. Via Internet bekommt jeder Käufer einen Werkzeugkasten zum Gestalten seines Unikats zur Verfügung gestellt. Dabei hat sich die pfiffige Firma vom Institut für Innovation und Entrepreneurship an der Wirtschaftsuniversität Wien beraten lassen.
„Nicht wir wissen, was euch gefällt, sondern ihr sagt uns, was ihr haben wollt.“ Dieses Denken hebt Edelwiser radikal von der Konkurrenz ab. Die Lieferzeit für die maßgeschneiderten Ski beträgt nur zwei bis vier Tage. Sie kosten auch nur ähnlich viel wie gute Ski von der Stange.
Rund um die Firma ist ein soziales Netzwerk aus Skifreaks entstanden, die sich untereinander austauschen. Die Einbindung der Kunden geht so weit, dass besonders begabte Laiendesigner sogar Geld verdienen oder ihre eigenen Kollektionen entwerfen und diese als „Edelwiser-Ambassadors“ an Kunden oder Bekannte verkaufen können.
Praxiserprobte Anwender können oft viel mehr als so genannte Spezialisten, sofern man sie ernst nimmt und aktiv werden lässt. Und: Es gibt einen großen Bedarf an neuen Services. Das ist mit ein Grund, warum sich am 11. Oktober in Salzburg ein Symposium mit Dienstleistungsinnovation beschäftigen wird (www.itg-salzburg.at/innosymp/Default.htm).
Prosit Edelwiser! Wir gratulieren herzlich.

Die Jungunternehmerin und ehemalige SN-Wirtschaftsjournalistin motiviert zur Innovation und steht für Ihre Fragen zur Verfügung.