Salzburg (SN). Das maßgebliche Lehrwerk des 18. Jahrhunderts kostenlos für alle deutschsprachigen Musikschulen.
Im Jahr 1756, dem Geburtsjahr seines Sohnes Wolfgang Amadeus, publizierte Leopold Mozart seine weitreichende und international hoch be- und geachtete „Gründliche Violinschule“. Es ist ein maßgebliches pädagogisches Werk, dem Nikolaus Harnoncourt noch heute seine Bedeutung beimisst. Die Beschreibungen in zwölf „Hauptstücken“ sind aber auch ein musikhistorisches Zeitzeugnis erster Güte.
Das erkennt man, wenn man nun in einer Neuausgabe blättert. Es ist die Erstausgabe der zweiten, von Leopold Mozart redigierten Auflage von 1769, die sich im Besitz der Biblioteca Mozartiana der Stiftung Mozarteum befindet. „In moderner Schrift und angepasster Rechtschreibung“ hat Gottfried Franz Kasparek das Werk lesbar gemacht. Es braucht also kein alter Druck entziffert zu werden. Herausgegeben hat es der erfahrene Cellist Matthias Michael Beckmann.
„Der gründliche und geschickte Virtuose, der vernünftige und methodische Lehrmeister, der gelehrte Musikus; diese Eigenschaften . . . entwickeln sich allhier zusammen“, schrieb der Musiktheoretiker der Aufklärung, Friedrich Wilhelm Marpurg. Und so lässt sich eben von der allgemeinen Einleitung über die „Geiginstrumenten“ bis zu den Anregungen des richtigen Notenlesens „und guten Vortrage überhaupt“ Grundlegendes und erweiternd Wissenswertes erfahren.
Leopold Mozart erklärt Dauer und „Geltung“ der Noten ebenso wie Haltung der Geige (und besonders natürlich ihre Fehler) und Bogenführung. Er erläutert, „was der Schüler beobachten muss, bevor er zu spielen anfängt“ und was der Pädagoge seinem Schüler „anfangs zu spielen vorlegen solle“.
Drei Gründe für die Aktualität des Werkes Er erklärt Spieltechniken und Tonbildungen und Stricharten, er schreibt über Triolen, Vorschläge, Auszierungen und das richtige „Trillern“. Und immer wieder sind die entsprechenden Notenbeispiele beigegeben.
Der Salzburger Geiger Benjamin Schmid nennt drei Gründe, warum diese „Violinschule“ immer noch Gültigkeit hat: den fachlichen durch „Erklärungen, die sehr viel über die musikalische Vorstellung zu Mozarts Zeit aussagen“ und über das „Notenlesen“ zugleich einen „Schlüssel zur Interpretation“ bereithalten; den historischen, der zeigt, in welches Bildungsniveau Wolfgang Amadeus Mozart „hineingeboren“ wurde; und den atmosphärischen dank einer „erklärungsfreudigen Sprache“, die die Mozart’sche Gedankenwelt anschaulich macht.
Ein fortwirkender pädagogischer „Nebeneffekt“ für die Gegenwart wird durch den Mäzen Donald Kahn möglich gemacht, der das Buchprojekt unterstützte. Durch seine Gönnerschaft wird die „Violinschule“ allen Musikschulen in deutschsprachigen Ländern – das sind rund 2000 – kostenlos zur Verfügung gestellt; eine englische Ausgabe soll noch dieses Jahr folgen.
Die Neuausgabe von Leopold Mozarts „Violinschule“ ist im Kulturverlag Polzer, Salzburg, erschienen.
KARL HARB

Salzburgs Musikgenie – ewig aktuell