Aus Torbergs „Tante Jolesch“ ist das Spiel „Der Erzherzog wird geprüft“ überliefert: Spieler B ist der Erzherzog, Spieler A sein Erzieher. Dieser muss eingangs eine watscheneinfache Frage stellen. Zum Beispiel „Wie lange dauerte der 30-jährige Krieg?“ Darauf gibt der Erzherzog eine möglichst dumme Antwort. Zum Beispiel: „Sieben Jahre!“
Nun muss der Erzieher erklären, warum der Erzherzog mit seiner Antwort vollkommen Recht hat (denn ein Erzherzog hat immer Recht). Gelingt ihm das, hat er gewonnen. In dem Beispiel gewinnt A mit: „Richtig! Wenn man von den 30 Jahren die Nächte sowie die Sonn- und Feiertage abzieht, an denen nicht gekämpft wurde, kommen sieben Jahre heraus. Bravo, Kaiserliche Hoheit!“
Dieses Spiel müsste heute auch noch funktionieren. Nennen wir es: „Der Parteisekretär wird geprüft“:
A: „Wer hat die Wahl am 1. Oktober gewonnen?“
B: „Na, die ÖVP!“
A: „Richtig! Noch nie hatte sie einen so durchschlagskräftigen ÖVP-Kanzler wie jetzt!“
A: „Welche ist die am besten geführte Behörde im Lande?
B: „Die Wiener Polizei!“
A: „Richtig! Während alle anderen Behörden den Gürtel enger schnallen müssen, macht sich die Wiener Polizeispitze am Abend zum Gürtel auf und macht sich den Gürtel auf!“
A: „Welches Bundesland in Österreich ist das minderheitenfreundlichste?“
B: „Kärnten!“
A: „Richtig! Dort darf das BZÖ sogar den Landeshauptmann stellen.“
Und weiter geht’s mit der Siegesserie des Erziehers:
A: „Wie heißt der opferwilligste Verteidigungsminister der Zweiten Republik?“
B: „Norbert Darabos!“
A: „Richtig! Keiner kämpfte so um Lizenzen für Flugzeuge, die er gar nicht haben wollte.“
A: „Wer ist der größte Umweltschützer in der Politik?“
B: „FPÖ-Chef Strache!“
A: „Richtig! Er rannte schon in seiner Jugend als Baum verkleidet durch den Wald und schoss üppig ins Kraut.“
Laut Torberg gab es aber auch Fälle, in denen nicht der Erzieher, sondern der Erzherzog gewann. Denn als dieser auf die Frage „Wie heißt unser Kaiser Franz Joseph?“ mit einem doch überraschenden „Quarz!“ antwortete, konnte der Erzieher zwar noch „Richtig!“ sagen, eine Erklärung fiel ihm aber beim besten Willen nicht ein. Er hatte verloren.
A: „Welche ist die beste Regierungsform für Österreich?“
B: „Die Große Koalition!“
A: „Richtig! Äh ...“

In seinem Blog „Purgertorium“ liefert SN-Redakteur Alexander Purger einen satirischen Blickwinkel auf das aktuelle Geschehen in der österreichischen Politiklandschaft.